FaceVZ vs. Studibook

Jan 21, 2010 1 Kommentar von Daniel

Soziale Netzwerke bewegen die Welt, das ist mal klar. Die unterschiedlichen Ausrichtungen und Zielgruppen lassen natürlich die Vielfalt der Dienste im ersten Moment sinnvoll erscheinen, andererseits ist diese Vielfalt auch ein großes Ärgernis. Zumindest was mich angeht. Denn die vielen Profile in den unterschiedlichen Social-Communities sind einfach unnötig. Leider ist man heutzutage ja mehr oder weniger dazu gezwungen, in allen markanten Portalen wie Facebook, StudiVZ/MeinVZ und Stayfriends angemeldet zu sein, um möglichst alle Mitglieder des Bekanntenkreises abzudecken. Ich finde das ärgerlich – zumindest Facebook und StudiVZ bedienen einfach genau identische Zielgruppen. Leider hat die frühe Entwicklung von StudiVZ in Deutschland dazu geführt, dass dort die meisten Freunde und Bekannte angemeldet sind, während Facebook – zumindest aus meiner subjektiven Sichtweise – dort nur langsam aufholt. Dabei ist Facebook sicher der ausgereiftere Service mit mehr und sinnvolleren Funktionen. Schlichtweg die Marktdurchdringung der VZ-Dienste ist tatsächlich der Grund, warum die Leute dort noch so aktiv sind.

Natürlich hat auch Facebook einige Nachteile – zum einen natürlich die datenschutzrechtlichen Bedenken, gegen die sich gerade US-Unternehmen häufig rechtfertigen müssen. Wesentlich besser sieht es bei den VZ’s allerdings auch nicht aus. Man sollte, bevor man eine solche Debatte vom Zaun bringt, allerdings auch immer bedenken, dass es sich dabei um Soziale Netzwerke handelt, bei denen jedermann seine Informationen freiwillig und aus eigenem Antrieb veröffentlicht. Noch dazu bieten beide Dienste die Möglichkeit, die Sichtbarkeit von Informationen sehr feingranular zu definieren, was den Durchschnittsnutzer wohl definitiv schon überfordern dürfte. Letztlich haben die Services hierbei aber auch nur auf die rechtlichen Anforderungen reagiert.

Gewichtigster Pluspunkt für die VZ’s ist aber meiner Meinung nach die Übersichtlichkeit. Facebook leidet in seiner momentanen Ausprägung zu sehr unter den Anwendungen, die durch die Facebook-API auf Informationen zugreifen können und die scheinbar durch die Bank immense Massen an Informationen auf Pinnwänden und Profilen einstellen. Die wirklich wichtigen Dinge, also neue Fotoarchive im Bekanntenkreis oder dergleichen gehen in der Flut an Farmville-Meldungen einfach unter. Natürlich kann man in seinen Privatsphäre-Einstellungen bestimmte Apps blacklisten, also deren Anzeige unterdrücken, allerdings gibt es mittlerweile derart viele Anwendungen, dass es sich hierbei nur um einen Kampf gegen Windmühlen handeln kann. Allerdings hat man auch bei Facebook in dieser Richtung reagiert. So gibt es seit Ende letzten Jahres das sogenannte Facebook lite, was vornehmlich für Nutzer mit langsamen Internetverbindungen ausgelegt ist, tatsächlich aber auch die dargestellten Informationen um die Apps erleichtert und somit zu wesentlich mehr Übersichtlichkeit führt.

Die VZ-Netzwerke haben sich nun auch im Rahmen der Opensocial-Kampagne für Anwendungen von außen geöffnet, was zu einem weiteren Problem führt – Die viel weiter ausgereiften Anwendungen für Facebook werden vielfach einfach auf StudiVZ portiert – es entsteht also die Verlockung, auf das Original zurückzugreifen und Facebook zu nutzen.

Im direkten Vergleich schneidet dabei Facebook – sowohl was das Interface (mit Ausnahme der App-Meldungen), als auch die Funktionen betrifft – einfach besser ab als die VZ’s. Leider hat Facebook noch nicht annähernd eine derart breitgefächerte Marktdurchdringung in Deutschland erreicht, so dass wohl weiterhin kein Weg an einem Profil im VZ vorbeiführt.

Betrachtet man die mobilen Angebote der Netzwerke, so wird das Bild hier bestätigt. Die iPhone-App für Facebook ist funktionaler, schicker und noch dazu schneller – und daran dürfte sich auch in nächster Zeit nichts ändern. Zwar haben die VZ’s mit der neusten Version ihrer App reichlich aufgeholt, allerdings orientiert man sich hier (übrigens genau wie in der nativen Web-Version) am großen Vorbild.

Wenn ich mal eine vorsichtige Prognose äußern müsste – StudiVZ wird noch in diesem Jahr massiv an aktiven Nutzern verlieren, die dafür in den Facebook-Hafen einlaufen werden und sich dort wohlfühlen – zumindest, wenn Facebook das Problem mit den übertriebenen Meldungen in den Griff bekäme. Auf lange Sicht sehe ich für die VZ’s dann auch kaum noch eine Daseinsberechtigung. Auch wer-kennt-wen, Lokalisten oder wie sie alle heißen spielen für mich keine Rolle. Ich hatte mit diesen Netzwerken bisher keinerlei Berührungspunkte – überhaupt hat mich noch nie jemand kontaktiert mit dem Hinweiß, mich doch auch dort zu registrieren. Warum auch. Wer mich finden will, tut’s bei Facebook oder StudiVZ. Und wem ich es erlaube, der darf sogar meine privaten Profile einsehen.

Dienste wie LinkedIn oder XING dagegen dürften weiter wachsen. Die spezielle Ausrichtung auf berufliche Kontakte und Netzwerke hebt sich erfreulich von Facebook ab. Da solche Profile und Portfolios auch für Personalentscheider immer wichtiger werden ist zu erwarten, dass diese Netzwerke zunehmend populärer auch bei Berufstätigen werden.

Zum Abschluss möchte ich noch mal eine Lanze für Facebook vom Zaun brechen: Leute, registriert euch dort und nutzt das Portal. Nach meiner Erfahrung mach es einfach mehr Spaß als StudiVZ – und es ist noch dazu nahezu dasselbe (es sei mal dahingestellt, warum die StudiVZ-Entwickler immer ähnliche Ideen haben, wie diejenigen von Facebook).

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Eine Antwort auf “FaceVZ vs. Studibook”

  1. VZ-Netzwerke-App aktualisiert - netz-basis says:

    [...] = 'netzbasis';Just habe ich im Artikel FaceVZ vs. Studibook noch darüber geklagt, prompt gibt es eine aktualisierte Version 2.1 der VZ-Netzwerke-App. Am [...]

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